Physik des Fliegens · Frage 4 von 7
Wie schnell fliegt ein Flugzeug?
Ein Passagierflugzeug wie der Airbus A320 fliegt in rund 11 km Höhe mit etwa 830 km/h, Mach 0,78: knapp unter der Schallgeschwindigkeit, ab der der Luftwiderstand steil ansteigen würde. Beim Start hebt es mit etwa 250 bis 290 km/h ab, aber nicht von selbst: Der Pilot hebt die Nase an.
In dieser Tour treibst du einen A320 in 3D Richtung Schallmauer und bringst ihn dann selbst in die Luft, normal und voll beladen, mit und ohne Klappen.
8 Schritte · Einsteiger · kostenlos, ohne Anmeldung
Start, Reiseflug, Landung: die Geschwindigkeiten im Überblick
Wie schnell ein Flugzeug ist, hängt von der Flugphase ab. Auf der Startbahn beschleunigt es aus dem Stand in deutlich unter einer Minute auf sein Abhebetempo: Ein Airbus A320 oder eine Boeing 737 verlässt den Boden je nach Gewicht mit etwa 240 bis 290 km/h. Die Tabelle von Aerospaceweb zu Startgeschwindigkeiten nennt rund 130 Knoten (240 km/h) für eine 737 mit 45 t, 150 Knoten (275 km/h) für einen A320 mit 70 t und 155 Knoten (290 km/h) für eine 747 mit 363 t.
Im Reiseflug, in 10 bis 12 km Höhe, fliegt ein A320 mit Mach 0,78, also 78 % der Schallgeschwindigkeit dort oben: 829 km/h durch die Luft (Datenblatt der A320-Familie). Langstreckenjets wie die Boeing 787 sind mit Mach 0,85 etwas schneller, rund 900 km/h.
Zur Landung wird das Flugzeug wieder langsamer, mit voll ausgefahrenen Klappen und Vorflügeln. Die Zulassungsregeln verlangen im Anflug mindestens das 1,23-Fache der Überziehgeschwindigkeit in Landekonfiguration (FAA, 14 CFR 25.125). Bei einem A320 mit 64 t liegt sie im Modell mit vollen Klappen bei 193 km/h. Er fliegt also mit rund 240 km/h an, etwas langsamer, als er gestartet ist.
Die Tour, nacherzählt
Schritt für Schritt
Schritt 1 von 8 · Erklären
Reiseflug: rund 830 km/h, Mach 0,78
Im Modell fliegt ein A320 mit 64 Tonnen in 11 km Höhe mit 829 km/h. Dort oben hat die Luft −56,5 °C, und in kalter Luft breitet sich Schall langsamer aus: mit 1.062 km/h statt 1.225 km/h in Meereshöhe. Dieselben 829 km/h sind dort also Mach 0,78. Deshalb geben Piloten und Flugpläne die Reisegeschwindigkeit als Machzahl an und nicht in km/h.
Im ruhigen Reiseflug schieben die Triebwerke genau so stark, wie der Luftwiderstand bremst, im Modell mit 40 kN, bei etwa zwei Dritteln Schubhebel. Diese Geschwindigkeit durch die Luft ist es, die Flügel und Triebwerke spüren. Die Zahl auf der Flugkarte in der Kabine ist etwas anderes: die Geschwindigkeit über Grund (siehe unten).

Schritt 2 von 8 · Ausprobieren
Warum Passagierflugzeuge nicht schneller fliegen
Die Triebwerke sind nicht die Grenze. Über der gewölbten Oberseite des Flügels wird die Luft schneller, und nahe Mach 0,8 überschreitet sie stellenweise die Schallgeschwindigkeit. Dort bilden sich Verdichtungsstöße, und der Luftwiderstand steigt steil an. Im Modell in 11 km Höhe bremst die Luft den A320 bei 829 km/h mit 40 kN, bei 900 km/h mit 50 kN und bei 950 km/h mit 73 kN: fast doppelt so viel wie im Reiseflug, für 15 % mehr Tempo.
Schneller zu fliegen kostet also viel Treibstoff und spart wenig Zeit. Um bei 900 km/h die Höhe zu halten, verbraucht das Modellflugzeug 311 kg Treibstoff pro 100 km statt 273 kg, bei 950 km/h sind es 434 kg. Mit Vollschub, dort oben nur etwa 56 kN, hält es über rund 920 km/h seine Höhe nicht mehr. Zugelassen ist der A320 bis Mach 0,82, etwa 870 km/h (Datenblatt der A320-Familie). Fluggesellschaften wählen ein Reisetempo knapp unterhalb des steilen Anstiegs.
Tiefer zu fliegen hilft nicht: Unten ist die Luft dichter, und bei denselben 829 km/h bremst sie in Meereshöhe mit 92 kN, mehr als doppelt so stark wie in 11 km Höhe.

Schritt 3 von 8 · Vorhersagen
Tempo allein reicht nicht zum Abheben
Verbreitet ist die Vorstellung, dass ein Flugzeug ab einem bestimmten Tempo von selbst abhebt und die Nase erst danach zum Steigen hochkommt. Manche denken auch, die Triebwerke drückten das Flugzeug mit Vollschub nach oben. Beides übersieht, was am Flügel passiert.
Auf der Startbahn wird der Flügel eines A320 nur unter etwa 1° angeströmt, alle Räder stehen auf dem Boden. Im Modell liefert er so mit Startklappen und Vollschub bei 280 km/h, dem Tempo, bei dem er normalerweise abhebt, nur 382 kN Auftrieb gegen 628 kN Gewichtskraft, rund 61 %. Bliebe die Nase unten, bräuchte das Flugzeug etwa 370 km/h und mehr als 2 km Startbahn statt rund 1,1 km. Die Triebwerke schieben nach vorn, entlang der Bahn; aus dem Tempo Auftrieb zu machen, ist Sache des Flügels.

Halbzeit
Sieh es dir selbst in 3D an
Lesen ist das eine. In der Tour veränderst du es selbst und siehst, was passiert, Schritt für Schritt.
3D-Tour startenSchritt 7 von 8 · Erklären
Rotation: Die Nase hebt sich, das Flugzeug hebt ab
Abheben lässt das Flugzeug erst der Pilot, indem er die Nase anhebt. Piloten nennen das Rotieren, das Tempo, bei dem es beginnt, VR. Das Höhenruder drückt das Heck nach unten und die Nase nach oben, und der Flügel wird steiler angeströmt: Bei 280 km/h bringt jedes Grad etwa 40 kN mehr Auftrieb. Bei rund 8° liefert der Flügel des A320 670 kN, mehr als seine 628 kN Gewichtskraft, und das Flugzeug verlässt die Bahn. Das Modell hebt ab, sobald der Auftrieb 5 % über der Gewichtskraft liegt, also bei etwa 278 km/h.
Dabei gibt es eine Grenze: Über etwa 11° würde das Heck auf der Bahn aufschlagen, ein Tailstrike. Rotiert wird deshalb erst beim richtigen Tempo, nicht zu früh. Nach dem Abheben, mit gehaltenen 8°, pendelt sich das Flugzeug bei rund 270 km/h ein und steigt mit etwa 16 m/s, nach rund 1,1 km Startlauf.

Schritt 6 von 8 · Ausprobieren
Gewicht und Klappen bestimmen die Startgeschwindigkeit
Ein schwereres Flugzeug braucht mehr Auftrieb, und beim gleichen Winkel heißt das: mehr Tempo. Im Modell hebt der A320 mit Startklappen und auf 8° rotiert bei 50 t mit 246 km/h ab, bei 64 t mit 278 km/h und bei seinen maximalen 78 t mit 307 km/h. Voll beladen braucht er auch mehr Bahn: etwa 1,8 km statt 0,7 km bei 50 t. Deshalb berechnen Piloten die Startgeschwindigkeiten vor jedem Flug aus dem tatsächlichen Gewicht.
Landeklappen und Vorflügel machen den Flügel stärker gewölbt und größer, sodass er schon bei weniger Tempo genug trägt. Ohne sie liefert dasselbe Flugzeug bei 280 km/h und 8° nur 443 kN Auftrieb; es bräuchte etwa 340 km/h und 1,7 km Startbahn. Mit Startklappen sind es 670 kN. In Landestellung trägt der Flügel noch mehr, 942 kN, aber der Widerstand verdoppelt sich: Hat es sich nach dem Abheben eingependelt, steigt das Flugzeug nur noch mit etwa 10 statt 15 bis 16 m/s. Verkehrsflugzeuge starten deshalb mit einer mittleren Stellung, die vollen Klappen bleiben für die Landung.

Fluggeschwindigkeit und Geschwindigkeit über Grund
Alle Zahlen oben sind Fluggeschwindigkeiten, also Tempo durch die Luft. Die Flugkarte in der Kabine zeigt dagegen die Geschwindigkeit über Grund. Der Unterschied ist der Wind, und der kann in Reiseflughöhe kräftig sein: Im Kern eines Jetstreams weht er laut dem US-Wetterdienst (National Weather Service) meist mit 100 bis 150 Knoten (185 bis 280 km/h), in Spitzen mit bis zu 250 Knoten (rund 460 km/h).
Fliegt ein Flugzeug mit 830 km/h durch die Luft und hat 280 km/h Rückenwind, kommt es über Grund mit rund 1.100 km/h voran. So zeigt die Flugkarte mehr als 1.000 km/h, während dasselbe Flugzeug in Gegenrichtung gegen den Jetstream nur mit etwa 550 km/h über Grund vorankommt. Der Flügel merkt davon nichts: Für Auftrieb und Widerstand zählt nur das Tempo durch die Luft.
Wie schnell andere Flugzeuge fliegen
Fast alle Düsenverkehrsflugzeuge fliegen in einem schmalen Band knapp unter der Schallgeschwindigkeit, weil sie alle auf denselben Widerstandsanstieg treffen. Die A320-Familie fliegt mit Mach 0,78 (829 km/h), die Boeing 787 mit Mach 0,85 (903 km/h) und die Boeing 747-8 mit Mach 0,855 (908 km/h).
Kleine Propellerflugzeuge sind viel langsamer: Eine Cessna 172 fliegt mit 122 Knoten, rund 226 km/h, langsamer als ein Airliner beim Start. Das schnellste Passagierflugzeug im Liniendienst war die Concorde. Sie flog mit Mach 2,02, etwa 2.150 km/h, und überquerte den Atlantik in knapp 3,5 Stunden. 2003 wurde sie ausgemustert (Zahlen aus den Wikipedia-Artikeln zu den jeweiligen Flugzeugen).
Wind, Hitze und hoch gelegene Flughäfen
Flugzeuge starten wenn möglich gegen den Wind. Der Flügel spürt nur das Tempo durch die Luft: Bei 30 km/h Gegenwind hebt ein Flugzeug, das 280 km/h Fluggeschwindigkeit braucht, schon bei 250 km/h über Grund ab, und der Startlauf wird kürzer. Rückenwind bewirkt das Gegenteil.
Hitze und Höhe machen die Luft dünner. Der Auftrieb wächst mit der Luftdichte und mit dem Quadrat des Tempos, in dünner Luft muss das Flugzeug also schneller durch sie hindurch, um genauso viel Auftrieb zu bekommen. An einem heißen oder hoch gelegenen Flughafen ist das wahre Abhebetempo höher und der Startlauf länger, zumal auch die Triebwerke weniger Schub liefern. Der Fahrtmesser im Cockpit, der den Staudruck der Luft misst, zeigt dabei etwa dasselbe an. Die Startbahn der Simulation liegt auf Meereshöhe und ist windstill, diese Effekte kommen in der Tour darum nicht vor.
FAQ
Häufige Fragen
- Kann ein Passagierflugzeug 1000 km/h fliegen?
- Durch die Luft nicht. Die meisten Verkehrsflugzeuge fliegen mit 830 bis 910 km/h, und ihre zugelassene Höchstgeschwindigkeit liegt nur wenig darüber: beim A320 Mach 0,82, in Reiseflughöhe etwa 870 km/h. Über Grund kann ein kräftiger Jetstream im Rücken sie aber über 1.000 km/h bringen. Deutlich schneller war nur die Concorde mit rund 2.150 km/h.
- Wie schnell muss ein großer Jet wie der A380 beim Start sein?
- Große Jets heben kaum schneller ab als kleine. Aerospaceweb nennt für eine Boeing 747 mit 363 t etwa 155 Knoten, rund 290 km/h, für einen A320 mit 70 t etwa 150 Knoten, rund 275 km/h. Wie schnell genau, hängt bei jedem Flugzeug vom Gewicht des Tages und von der Klappenstellung ab.
- Wie schnell ist ein Flugzeug bei der Landung?
- Langsamer als beim Start. Mit vollen Klappen muss die Anfluggeschwindigkeit mindestens das 1,23-Fache der Überziehgeschwindigkeit in Landekonfiguration betragen (FAA, 14 CFR 25.125). Für einen A320 mit 64 t sind das im Modell rund 240 km/h. Am Boden bremsen dann die Radbremsen und die Schubumkehr der Triebwerke.
- Was bedeuten V1, VR und V2?
- Drei Geschwindigkeiten, die die Piloten vor jedem Start berechnen (FAA, 14 CFR 25.107). V1 ist die Entscheidungsgeschwindigkeit: Darunter können sie noch auf der Bahn anhalten, darüber starten sie auch bei einem Triebwerksausfall. VR ist die Rotationsgeschwindigkeit, bei der sie die Nase anheben. V2 ist die Sicherheitsgeschwindigkeit, die das Flugzeug bis 35 Fuß (rund 11 m) über der Bahn erreichen muss, auch mit nur einem Triebwerk.
- Wie lang ist der Startlauf?
- Im Modell hebt ein A320 mit 64 t, Startklappen und Vollschub nach rund 1,1 km und 28 Sekunden ab, mit maximalen 78 t braucht er etwa 1,8 km. Das Datenblatt der A320-Familie nennt bei Höchstgewicht 2.100 m Startstrecke. Die ist länger, weil die Zulassungsregeln Reserven verlangen, etwa für einen Triebwerksausfall beim Start.
Weiter entdecken
Nicht die Frage, die du im Kopf hattest?
Mehr zu Physik des Fliegens
- Frage 1
Warum fliegt ein Flugzeug?
Finde heraus, was ein 64 Tonnen schweres Verkehrsflugzeug wirklich trägt, warum die Luft oben nicht auf die Luft unten wartet und was passiert, wenn beide Triebwerke ausfallen.
8 Schritte · EinsteigerStarten - Frage 2
Wie entstehen Kondensstreifen, und warum nur an manchen Tagen?
Finde heraus, woraus die weißen Linien hinter Flugzeugen bestehen und warum sie an einem Tag nach Sekunden verschwinden und am nächsten stundenlang bleiben.
8 Schritte · EinsteigerStarten - Frage 3
Wie entsteht ein Strömungsabriss beim Flugzeug?
Stell einen Flügel über den kritischen Anstellwinkel, sieh die Strömung abreißen und finde heraus, warum weder Vollgas noch hohes Tempo in der Kurve davor schützen.
8 Schritte · EinsteigerStarten