Viertaktmotor · Frage 3 von 5
Was macht die Nockenwelle?
Die Nockenwelle steuert die Ventile eines Motors: Sie öffnet und schließt Einlass- und Auslassventile im richtigen Moment. Auf ihr sitzen eiförmige Nocken, die beim Drehen je ein Ventil aufdrücken, eine Feder schließt es wieder. Angetrieben wird sie von der Kurbelwelle über Zahnriemen oder Steuerkette, mit genau halber Drehzahl.
In dieser Tour drehst du die Kurbelwelle eines 3D-Motors von Hand, siehst die Nocken die Ventile drücken und zählst, wie weit sich die Nockenwelle dreht.
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Halb so schnell wie die Kurbelwelle
Kurbelwelle und Nockenwelle hängen am selben Zahnriemen. Da liegt der Gedanke nahe, dass sie sich gleich schnell drehen, Umdrehung für Umdrehung. Das stimmt nicht: In jedem Viertaktmotor dreht sich die Nockenwelle einmal, während sich die Kurbelwelle zweimal dreht. Das Übersetzungsverhältnis ist 2:1.
Der Grund steckt in den vier Takten. Ansaugen, Verdichten, Arbeiten und Ausstoßen bewegen den Kolben jeweils einmal hinauf oder hinunter. Ein Arbeitsspiel braucht deshalb zwei Kurbelwellenumdrehungen, 720°. In dieser Zeit muss jedes Ventil genau einmal öffnen: das Einlassventil zum Füllen, das Auslassventil zum Leeren. Ein Nocken öffnet sein Ventil einmal pro Nockenwellenumdrehung, also passt eine Umdrehung pro Arbeitsspiel genau. Liefe die Nockenwelle so schnell wie die Kurbelwelle, ginge jedes Ventil ein zweites Mal auf, mitten im Verdichten oder Arbeiten, und das Gas würde entweichen.
Festgelegt wird das über die Zähne. Im Motor der Tour hat das Kurbelwellenrad 18 Zähne, jedes Nockenwellenrad 36. Bewegt sich der Riemen um einen Zahn weiter, dreht sich das kleine Rad doppelt so weit wie die großen. Beim Zweitaktmotor, der sein Arbeitsspiel in einer Umdrehung schafft, ist es anders: Hat er überhaupt eine Nockenwelle, dreht sie so schnell wie die Kurbelwelle, 1:1.
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Nocken drücken die Ventile auf
Eine Nockenwelle ist eine gerade Stahlwelle mit einem eiförmigen Buckel über jedem Ventil, dem Nocken. Der größte Teil des Nockens ist ein Kreis um die Welle, der Grundkreis. Nur die Spitze steht über. Solange der Grundkreis zum Ventil zeigt, passiert nichts. Kommt die Spitze herum, drückt sie auf einen Tassenstößel, der oben auf dem Ventilschaft sitzt, und schiebt das Ventil aus seinem Sitz nach unten in den Zylinder. Der Stößel nimmt die seitliche Reibung des Nockens auf, so bewegt sich der dünne Ventilschaft nur gerade.
Wie weit das Ventil aufgeht, bestimmt die Höhe der Nockenspitze. Im Modell beträgt der Ventilhub 10 mm, beim Einlass wie beim Auslass, ein üblicher Wert für einen Pkw-Benziner. Die Form der Flanken legt fest, wie schnell das Ventil öffnet und schließt.

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Der Zahnriemen hält Kurbelwelle und Nockenwelle im Takt
Angetrieben werden die Nockenwellen von der Kurbelwelle. Im Motor der Tour läuft ein Zahnriemen aus Gummi von einem kleinen Rad vorn auf der Kurbelwelle hinauf zu je einem großen Rad auf jeder Nockenwelle und treibt unterwegs noch die Wasserpumpe an. Weil der Riemen Zähne hat, kann er nicht rutschen: Zu jeder Stellung der Kolben gehört genau eine Stellung der Nocken.
Eine ganze Kurbelwellenumdrehung bringt den Kolben von Zylinder 1 wieder dorthin, wo er losgelaufen ist. Sein Einlassnocken dreht sich dabei nur halb herum: Erst zeigt er genau nach unten auf den Stößel, danach genau nach oben, vom Stößel weg. So wird das Verhältnis 2:1 sichtbar.

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Die Ventilfeder schließt sie wieder
Die Nockenwelle kann nur drücken, nicht ziehen. Das Schließen übernimmt die Ventilfeder, eine Stahlspirale um den Schaft. Drückt der Nocken das Ventil auf, wird die Feder zusammengepresst. Dreht sich die Spitze weg, schiebt die Feder das Ventil zurück in seinen Sitz und hält es gegen den Druck im Zylinder geschlossen. Bei hoher Drehzahl muss sie steif genug sein, damit das Ventil dem Nocken folgt und nicht abhebt.
Im Modell steht jedes Ventil 240° Kurbelwinkel lang offen, zwei Drittel einer Kurbelwellenumdrehung. Die Nockenwelle dreht sich in dieser Zeit nur um 120°. Vom Schließen des Einlassventils (50° nach dem unteren Totpunkt) bis zum Öffnen des Auslassventils (50° vor dem unteren Totpunkt), rund 260° Kurbelwinkel, sind beide Ventile zu, damit das Gemisch verdichtet werden und verbrennen kann, ohne zu entweichen.

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Jedes Ventil öffnet einmal pro Arbeitsspiel
Verfolgst du einen Zylinder durch ein ganzes Arbeitsspiel, siehst du, warum die halbe Drehzahl reicht. Das Einlassventil von Zylinder 1 öffnet in der ersten Kurbelwellenumdrehung, während der Kolben nach unten geht und frisches Gemisch ansaugt. Dann folgen Verdichten und Arbeiten mit geschlossenen Ventilen. Erst in der zweiten Umdrehung, gegen Ende des Arbeitstakts, kurz bevor der Kolben wieder steigt und das Abgas hinausschiebt, erreicht der Auslassnocken sein Ventil.
Nach 720° hat jedes Ventil einmal geöffnet und jeder Nocken sich einmal gedreht. Die anderen drei Zylinder machen dasselbe, jeweils eine Viertelumdrehung der Nockenwelle versetzt: Die vier Nocken auf jeder Welle stehen um 90° zueinander, deshalb zünden die Zylinder in gleichen Abständen. Ihre Reihenfolge rund um die Welle ergibt die Zündfolge 1-3-4-2.

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Steuerzeiten und Ventilüberschneidung
Die genauen Zeitpunkte, zu denen die Ventile öffnen und schließen, heißen Steuerzeiten. Die Nocken legen sie fest. Angegeben werden sie in Grad Kurbelwinkel vor oder nach den Totpunkten des Kolbens, dem oberen (OT) und dem unteren (UT). Im Motor der Tour öffnet das Einlassventil 10° vor OT und schließt 50° nach UT. Das Auslassventil öffnet 50° vor UT und schließt 10° nach OT.
Keines der Ventile öffnet genau im Totpunkt. Der Auslass öffnet früh, solange das Gas noch Druck hat, so strömt ein großer Teil von allein hinaus. Der Einlass schließt spät, weil das einströmende Gemisch noch einen Moment weiterfließt, nachdem der Kolben schon umgekehrt ist. Im OT zwischen Ausstoßen und Ansaugen überschneiden sich die beiden Fenster: 20° lang sind beide Ventile einen Spalt offen, im Modell im OT je 0,2 mm. Das ausströmende Abgas zieht die frische Füllung hinter sich her. Diese Ventilüberschneidung ist im Pkw-Motor klein, im Rennmotor viel größer.

Nockenwelle und Kurbelwelle: der Unterschied
Beide sind lange Wellen, die sich im Motor drehen, und ihre Namen klingen ähnlich. Ihre Aufgaben sind aber ganz verschieden. Die Kurbelwelle liegt unten im Motorblock. Die Pleuel drücken auf ihre versetzten Hubzapfen und machen aus dem Auf und Ab der Kolben eine Drehung; sie gibt die Kraft des Motors ans Getriebe weiter. Die Nockenwelle sitzt oben im Zylinderkopf (bei älteren Bauarten unten im Block) und treibt das Auto nicht an. Sie nimmt der Kurbelwelle nur ein wenig Kraft ab, um die Ventile im richtigen Moment zu öffnen.
Die Bewegungen hängen zusammen, sind aber nicht gleich. Die Kurbelwelle treibt, die Nockenwelle wird angetrieben, über Riemen, Kette oder Zahnräder, mit halber Drehzahl. Auf der Kurbelwelle sitzen Hubzapfen und Gegengewichte, auf der Nockenwelle Nocken. Beide werden von Sensoren überwacht: Das Motorsteuergerät vergleicht die Signale von Nockenwellen- und Kurbelwellensensor. So weiß es, welcher Zylinder gerade verdichtet, und wann es zünden und einspritzen muss.
Obenliegend oder untenliegend: OHV, OHC und DOHC
Wo die Nockenwelle sitzt, gibt den Bauarten ihre Namen. Der Motor der Tour ist ein DOHC-Motor (double overhead camshaft): zwei obenliegende Nockenwellen im Zylinderkopf, eine für die Einlass- und eine für die Auslassventile, die jeweils direkt auf Tassenstößel drücken. So sind die meisten heutigen Pkw-Motoren gebaut, meist mit zwei Einlass- und zwei Auslassventilen pro Zylinder; das Modell beschränkt sich auf je eines.
Ein OHC- oder SOHC-Motor hat nur eine obenliegende Nockenwelle für beide Ventilreihen. Sie erreicht die Ventile oft über Kipp- oder Schlepphebel. Beim OHV-Motor liegt die Nockenwelle unten im Block neben der Kurbelwelle. Lange Stoßstangen übertragen die Bewegung jedes Nockens hinauf zu Kipphebeln am Zylinderkopf. Solche Motoren sind kompakt und einfach, deshalb bauen viele große amerikanische V8 bis heute so. Die vielen bewegten Teile begrenzen aber die Drehzahl.
Zahnriemen, Steuerkette und warum die Steuerzeiten stimmen müssen
Drei Bauteile können die Nockenwelle antreiben. Ein Zahnriemen ist leise, leicht und günstig, verschleißt aber und muss nach dem Intervall des Herstellers gewechselt werden, oft irgendwo zwischen etwa 60.000 und 160.000 km. Eine Steuerkette aus Stahl läuft im Öl und soll ein Motorleben lang halten, kann sich aber samt Spanner längen und rasseln. Zahnräder nimmt man, wenn die Nockenwelle nah an der Kurbelwelle liegt, etwa bei OHV-Motoren und vielen Lkw.
Bei vielen Motoren bleibt es nicht beim Liegenbleiben, wenn der Zahnriemen reißt. Bei einem sogenannten Freiläufer passiert nichts weiter. Bei einem Interferenzmotor (kein Freiläufer) dagegen ragt ein ganz offenes Ventil in den Raum, den der Kolben oben im Zylinder einnimmt; nur die Steuerzeiten halten die beiden auseinander. Reißt der Riemen, bleiben die Nockenwellen mit einigen offenen Ventilen stehen, während die Kurbelwelle weiterdreht, und die Kolben schlagen dagegen: verbogene Ventile, beschädigte Kolben, oft ein neuer Zylinderkopf. Deshalb ist das Wechselintervall wichtig, und beim Einbau eines neuen Riemens müssen die Markierungen genau stimmen.
Hub, Öffnungsdauer und Nockenwellenverstellung
Zwei Zahlen beschreiben einen Nocken: der Hub, also wie weit er das Ventil öffnet, und die Öffnungsdauer in Grad Kurbelwinkel. Mehr Hub und längere Öffnungsdauer lassen bei hoher Drehzahl mehr Luft hinein, wenn ein Takt nur wenige Tausendstelsekunden dauert. Deshalb haben Sport- und Rennmotoren „scharfe“ Nockenwellen. Bei niedriger Drehzahl entwischt bei der großen Überschneidung aber frisches Gemisch direkt in den Auspuff. Solche Motoren laufen im Leerlauf unruhig und ziehen untenherum schwach.
Eine feste Nockenwelle ist immer ein Kompromiss zwischen niedriger und hoher Drehzahl. Die Nockenwellenverstellung umgeht ihn: Ein Versteller am Nockenwellenrad, meist mit Öldruck betrieben, verdreht die Nockenwelle während der Fahrt gegenüber ihrem Rad, um bis zu mehrere Dutzend Grad Kurbelwinkel. So verschieben sich die Steuerzeiten, das Verhältnis 2:1 bleibt. Manche Systeme schalten zusätzlich zwischen zwei Nockenformen um oder verändern den Hub.
Wenn die Nockenwelle verschleißt
Nocken und Stößel reiben unter der vollen Kraft der Ventilfedern aneinander und brauchen deshalb sauberes Öl. Nutzt sich ein Nocken ab, öffnet sein Ventil zu wenig. Typische Anzeichen sind ein Tickern oder Klappern oben am Motor, unruhiger Leerlauf, Zündaussetzer, weniger Leistung, mehr Verbrauch und die Motorkontrollleuchte, oft mit einem Fehlercode zur Nockenwellenposition oder zu den Steuerzeiten. Ein defekter Nockenwellensensor kann ähnliche Symptome machen. Eine verschlissene Nockenwelle gehört in die Werkstatt; meist werden Welle und Stößel zusammen getauscht.
FAQ
Häufige Fragen
- Wie oft dreht sich die Nockenwelle, wenn sich die Kurbelwelle einmal dreht?
- Eine halbe Umdrehung. Beim Viertaktmotor dreht sich die Nockenwelle einmal, während sich die Kurbelwelle zweimal dreht. Das liegt daran, dass ein Arbeitsspiel zwei Kurbelwellenumdrehungen dauert und jedes Ventil darin nur einmal öffnen darf.
- Was dreht schneller, Kurbelwelle oder Nockenwelle?
- Die Kurbelwelle, und zwar doppelt so schnell. Dreht sie mit 3.000 U/min, dreht die Nockenwelle mit 1.500 U/min. Im Leerlauf mit etwa 850 U/min sind es an der Nockenwelle rund 425 U/min.
- Was passiert, wenn die Nockenwelle defekt ist?
- Ist ein Nocken verschlissen, öffnet sein Ventil zu wenig. Der Motor läuft unruhig, verliert Leistung, verbraucht mehr und tickert oft hörbar, und die Motorkontrollleuchte geht an. Der Abrieb verteilt sich im Öl. Bricht die Welle oder ihr Antrieb, geht der Motor aus, und bei einem Interferenzmotor können Ventile und Kolben zusammenstoßen.
- Was passiert, wenn der Zahnriemen reißt?
- Die Nockenwellen bleiben stehen und der Motor geht sofort aus. Bei einem Freiläufer reicht dann ein neuer Riemen. Bei einem Interferenzmotor schlagen die Kolben gegen die Ventile, die gerade offen stehen. Das verbiegt Ventile und kann Kolben und Zylinderkopf beschädigen. Den Riemen rechtzeitig zu wechseln ist viel günstiger.
- Haben Elektroautos eine Nockenwelle?
- Nein. Ein Elektromotor hat keine Zylinder, keine Ventile und damit auch keine Nockenwelle. Eine Nockenwelle gibt es nur in Verbrennungsmotoren mit Ventilen. Hybridautos haben eine, in ihrem Verbrennungsmotor.
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