Wärmepumpe · Frage 4 von 4
Kann eine Wärmepumpe auch kühlen?
Ja. Eine Wärmepumpe kühlt, indem sie ihren Kreislauf rückwärts laufen lässt: Ein Vierwegeventil schickt das Kältemittel andersherum, sodass das Gerät dem Haus Wärme entzieht und sie an die Außenluft abgibt. Ein zweites Gerät braucht es nicht. In unserem Modell holt sie an einem 32 °C heißen Tag etwa 8 kW aus dem Haus, für 1,6 kW Strom.
In dieser Tour schaltest du das Gerät in 3D auf Kühlen, siehst Verdampfer und Verflüssiger die Rollen tauschen, erfährst, warum das Wasser für den Fußboden bei 18 °C bleibt, und kühlst passiv mit dem Erdreich.
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Ja: dieselbe Wärmepumpe, nur rückwärts
Viele halten eine Wärmepumpe für eine reine Heizung und glauben, zum Kühlen bräuchte man eine eigene Klimaanlage. Dabei ist Heizen und Kühlen für eine Wärmepumpe dieselbe Aufgabe: Sie schiebt Wärme von einer kälteren an eine wärmere Stelle. Im Winter ist der Garten die kalte Seite und das Haus die warme. Im Sommer wird das Haus zur Seite, aus der die Wärme kommt, und der Garten zur Seite, in die sie geht.
Das nennt man aktive Kühlung: Der Kältekreis läuft umgekehrt, der Verdichter leistet die Arbeit. Das geht mit Luft-, Erd- und Wasser-Wärmepumpen. Viele Luft-Wasser-Wärmepumpen können es ab Werk, bei anderen schaltet der Installateur die Kühlfunktion frei oder rüstet einen kleinen Bausatz nach. Die meisten Seiten zu dieser Frage sagen nur, der Prozess werde „umgekehrt“, aber nicht, wie. Die Schritt-für-Schritt-Erklärung unten zeigt es, mit den Zahlen aus dem Modell.
Die Tour, nacherzählt
Schritt für Schritt
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Ein Ventil dreht den Kreislauf um
Im Winter arbeitet die Luft-Wasser-Wärmepumpe im Modell so: Der Lamellenblock hinter den Ventilatoren, der Verdampfer, nimmt bei 7 °C etwa 6 kW Wärme aus der Außenluft auf. Der Plattenwärmeübertrager neben dem Verdichter, der Verflüssiger, gibt etwa 7,4 kW an das Wasser der Fußbodenheizung ab. Den Rest steuert der Verdichter aus etwa 1,4 kW Strom bei.
Oft heißt es, beim Kühlen laufe der Verdichter einfach rückwärts. Das stimmt nicht: Ein Verdichter fördert nur in eine Richtung. Stattdessen sitzt hinter ihm ein Vierwegeventil (4-Wege-Umschaltventil), das entscheidet, wohin das heiße Gas strömt. Beim Heizen schickt es das Gas zum Plattenwärmeübertrager, ins Haus. Beim Kühlen schickt es das Gas zum Lamellenblock draußen. Die Rohre bleiben dieselben, das Kältemittel fließt nur andersherum durch den Kreis. Dasselbe Ventil nutzt die Wärmepumpe im Winter schon zum Abtauen.
Auf Kühlen geschaltet holt das Modell an einem 32 °C heißen Tag mit 18 °C kaltem Wasser für den Fußboden etwa 8,3 kW Wärme aus dem Haus und braucht dafür etwa 1,6 kW Strom.

Schritt 4 von 11 · Erklären
Verdampfer und Verflüssiger tauschen die Rollen
Weil das Kältemittel andersherum fließt, übernimmt jeder Wärmeübertrager die Aufgabe des anderen. Der Plattenwärmeübertrager, der im Winter das Heizungswasser erwärmt hat, ist jetzt der Verdampfer. Das Kältemittel siedet darin bei etwa 14 °C. Das ist kälter als das Wasser, das mit etwa 24 °C aus dem Fußboden zurückkommt. Also fließt Wärme aus dem Wasser ins Kältemittel, und das Wasser verlässt den Übertrager mit 18 °C, kalt genug, um den Boden zu kühlen.
Der Lamellenblock hinter den Ventilatoren, der im Winter Wärme aus der Luft geholt hat, ist jetzt der Verflüssiger. Der Verdichter presst den Dampf so stark zusammen, dass er bei etwa 42 °C kondensiert, zehn Grad über den 32 °C der Gartenluft. Nur weil das Kältemittel heißer ist als die Luft, kann die Wärme in sie abfließen. Im 3D-Modell wechseln die Beschriftungen mit dem Ventil: „Plattenwärmeübertrager (jetzt Verdampfer)“ und „Außenwärmeübertrager (jetzt Verflüssiger)“.

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Die Wärme geht mit der Luft nach draußen
Ein verbreiteter Irrtum: Die Außeneinheit einer kühlenden Wärmepumpe blase kalte Luft in den Garten, wie die Vorderseite eines Klimageräts. Das stimmt nicht, denn die Kälte entsteht nicht draußen, sie geht ins Wasser für den Fußboden. Aus den Ventilatoren kommt die Wärme des Hauses. Im Modell kommt die 32 °C warme Gartenluft mit etwa 37 °C wieder heraus, fünf Grad wärmer. Im Winter ist es umgekehrt, da kommt die Luft kälter heraus, als sie hineinging.
Die Energiebilanz zeigt, wohin alles geht. Etwa 8,3 kW Wärme kommen aus dem Haus, und auch die 1,3 kW Strom des Verdichters werden zu Wärme. Zusammen gehen etwa 9,6 kW über den Lamellenblock in die Außenluft, und die 0,3 kW der Ventilatoren erwärmen die Luft noch dazu. Eine Wärmepumpe kann Wärme nicht vernichten, nur verschieben. Ein Kühlschrank macht es genauso, deshalb wird es hinter ihm warm.

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Hitze und kaltes Wasser kosten Effizienz
Beim Kühlen zählt die Effizienzzahl, wie viel Wärme pro Einheit Strom aus dem Haus geholt wird. Beim Kühlen heißt sie oft EER (Energy Efficiency Ratio); der Chip im Modell sagt weiter Leistungszahl. Bei 32 °C draußen und 18 °C Wasser erreicht das Modell etwa 5,1: fünf Teile Kühlung aus einem Teil Strom. An einem milden Tag mit 24 °C sind es etwa 7.
Zwei Dinge drücken den Wert. Erstens ein heißerer Garten: Das Kältemittel muss noch heißer werden, um seine Wärme loszuwerden, der Verdichter muss die Wärme weiter anheben. Bei 35 °C sinkt die Leistungszahl im Modell auf etwa 4,5 und die Kühlleistung von 8,3 auf etwa 8,0 kW. Das reale Gerät, dem das Modell folgt, kühlt laut Datenblatt bis 45 °C Außenluft. Zweitens kälteres Wasser: Mit 10 °C statt 18 °C muss das Kältemittel bei etwa 6 °C statt 14 °C sieden, die Leistungszahl fällt auf etwa 3,7 und die Kühlleistung auf etwa 6,4 kW. Das Datenblatt des realen Geräts zeigt denselben Verlauf: EER 5,3 mit 18 °C Wasser und 3,3 mit 7 °C Wasser, beide bei 35 °C Außenluft (Viessmann Vitocal 250-A). Das Modell liegt bei 18 °C etwa 15 % unter dem Datenblatt.
Deshalb kühlt ein Fußboden mit etwa 18 °C warmem Wasser, während Gebläsekonvektoren, die Raumluft über einen kalten Wärmeübertrager blasen, mit etwa 7 °C arbeiten.

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Warum die Fußbodenkühlung über 18 °C bleibt: der Taupunkt
Warme Sommerluft enthält Wasserdampf. Jede Fläche, die kälter ist als der Taupunkt der Luft, wird nass, so wie ein kaltes Glas Limo an einem heißen Tag. Im Sommer liegt der Taupunkt in Innenräumen oft bei 17 bis 19 °C. Das Modell rechnet für das ganze Haus mit einem Taupunkt von etwa 17 °C.
Heizkörper mit 12 °C kaltem Wasser zeigen, was dann passiert: Im Modell schwitzen sie, Tropfen laufen an den Platten herunter. In einem echten Fußboden würde dieses Wasser in Estrich und Bodenbelag ziehen und könnte Schimmel verursachen. Deshalb kühlt man den Boden mit mindestens 18 °C warmem Wasser, und ein Taupunktwächter (ein Feuchtefühler im Raum oder am Rohr) hebt die Wassertemperatur an oder stoppt die Kühlung, wenn die Luft feucht wird. Heizungshersteller empfehlen für den Fußboden etwa 19 bis 21 °C.

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Passive Kühlung: Das Erdreich kühlt mit
Eine Erdwärmepumpe kann fast ohne Verdichter kühlen. Hundert Meter tief bleibt der Boden das ganze Jahr bei etwa 10 °C, kälter als das 18 °C kalte Wasser für den Fußboden. Die Wärme kann also von selbst aus dem Wasser ins Erdreich fließen. Echte Anlagen schalten den Verdichter dann ab und lassen nur die Pumpen für Sole und Wasser laufen. Das heißt passive Kühlung oder Natural Cooling.
Im Modell läuft der Verdichter weiter, fast ohne etwas zu heben, und die ganze Anlage braucht etwa 0,3 kW statt 1,6 kW bei aktiver Kühlung mit Luft. Laut Herstellern kühlt die passive Kühlung sanfter als die aktive und kostet im Betrieb sehr wenig. Dazu kommt: Die Wärme, die im Sommer ins Erdreich geht, ist im Herbst zum Teil noch da. Passive Kühlung geht nur mit Erdreich oder Grundwasser, nie mit einer Luft-Wärmepumpe, denn Sommerluft ist wärmer als das Wasser, das du haben willst.

Wärmepumpe als Klimaanlage?
Ein Split-Klimagerät betreibt genau denselben Kältekreis wie eine Wärmepumpe im Kühlbetrieb: Ein Verdampfer im Raum lässt das Kältemittel sieden und nimmt die Wärme aus der Raumluft auf, ein Verflüssiger draußen gibt sie an die Luft ab. Es läuft nur in eine Richtung. Die Wärmepumpe hat zusätzlich das Vierwegeventil und kann deshalb auch andersherum laufen und heizen.
Eine Luft-Luft-Wärmepumpe ist also eine Klimaanlage, die auch heizen kann, und beim Kühlen gibt es praktisch keinen Unterschied. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wie im Modell kühlt dagegen das Wasser im Fußboden, statt kalte Luft zu blasen. Das wirkt sanfter, ist im Raum leiser und entfeuchtet die Luft nicht, wie es ein Klimagerät tut. Als echte Klimaanlage fürs heiße Dachgeschoss taugt sie deshalb nur begrenzt. Verglichen werden Klimageräte und Wärmepumpen beim Kühlen über die SEER, die Effizienz über einen ganzen Sommer.
Wie viel kühler wird es?
Kühlung über den Fußboden nimmt einem heißen Tag die Spitze, macht das Haus aber nicht kalt. Hersteller nennen für aktive Kühlung etwa 2 bis 4 °C kühlere Räume, zum Beispiel 24 bis 26 °C statt 28 °C, für passive Kühlung bis etwa 3 °C. Ein Split-Klimagerät schafft bis zu etwa 12 °C. Man spricht deshalb vom Temperieren, nicht vom Klimatisieren.
Der Grund ist der Taupunkt: Der Boden muss über etwa 18 °C bleiben, und ein 18 bis 20 °C kühler Boden kann nur begrenzt Wärme aufnehmen. Für mehr Kühlung blasen Gebläsekonvektoren Raumluft über kälteres Wasser. Zuerst helfen Verschattung der Fenster und Lüften in der Nacht. Der Raum im Modell kühlt viel stärker ab als ein echter, weil sein Boden beliebig viel Wärme aufnimmt; die Tour nennt die Raumtemperatur deshalb nicht.
Was du brauchst: Flächenheizung, Taupunktwächter, kühlfähige Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe, deren Kältekreis umkehrbar ist, oder bei Erdwärme die Teile für passive Kühlung. Eine Flächenheizung, also Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung: große Flächen bei milden Temperaturen. Normale Heizkörper sind zu klein, um bei 18 °C viel Wärme aufzunehmen, und schwitzen, wenn das Wasser kälter ist; Alternativen sind Gebläsekonvektoren oder spezielle Heizkörper mit Ventilator und Kondensatablauf.
Einen Taupunktwächter, der das Wasser über dem Taupunkt hält. Und dampfdiffusionsdicht gedämmte Rohre, damit sich in Wänden und Decken kein Kondenswasser bildet. Das alles sollte ein Fachbetrieb prüfen, bevor die Kühlung eingeschaltet wird.
Was das Modell vereinfacht
Passive Kühlung ist nicht modelliert: Mit Erdsonde läuft der Verdichter weiter, fast ohne etwas zu heben, statt stillzustehen. Der Fußboden nimmt beliebig viel Wärme auf und schwitzt nie, deshalb kühlen die Räume im Modell viel stärker ab als echte; nur die Heizkörper zeigen Tropfen, und das ganze Haus hat einen festen Taupunkt von etwa 17 °C. Der Regler für die Außentemperatur endet bei 35 °C, das echte Gerät kühlt bis 45 °C. Die Leistungszahl des Modells bei 35 °C Luft und 18 °C Wasser liegt etwa 15 % unter dem Datenblatt.
FAQ
Häufige Fragen
- Kann jede Wärmepumpe kühlen?
- Aktiv kühlen können die meisten Luft-Wasser- und Erdwärmepumpen mit Vierwegeventil; bei manchen muss der Installateur die Funktion freischalten oder einen Bausatz ergänzen. Passive Kühlung geht nur mit Erdreich oder Grundwasser als Quelle. Ob dein Gerät kühlen kann, zeigt das Datenblatt (Kühlleistung oder EER).
- Wie viel Grad kühlt eine Wärmepumpe?
- Über den Fußboden etwa 2 bis 4 °C, sagen Hersteller, passiv bis etwa 3 °C. Ein Split-Klimagerät schafft bis zu etwa 12 °C. Mehr geht über den Fußboden nicht, weil das Wasser über dem Taupunkt bleiben muss.
- Was ist passive Kühlung?
- Bei passiver Kühlung (Natural Cooling) bleibt der Verdichter aus. Die Pumpen schicken das Wasser aus dem Fußboden über einen Wärmeübertrager an die rund 10 °C kalte Sole aus der Erdsonde, und die Wärme fließt von selbst ins Erdreich. Das braucht nur Strom für die Pumpen und geht nur mit Erdreich oder Grundwasser.
- Kann man mit Heizkörpern kühlen?
- Kaum. Normale Heizkörper haben wenig Fläche, nehmen mit Wasser über dem Taupunkt also wenig Wärme auf, und mit kälterem Wasser schwitzen sie. Gebläsekonvektoren oder spezielle Heizkörper mit Ventilator und Kondensatablauf können stattdessen kühlen.
- Was kostet das Kühlen mit der Wärmepumpe?
- Im Modell braucht die Wärmepumpe an einem 32 °C heißen Tag etwa 1,6 kW Strom, um 8,3 kW Wärme aus dem Haus zu holen; passiv mit Erdsonde sind es nur etwa 0,3 kW für die Pumpen. Was das im Jahr kostet, hängt von Strompreis, Haus und Sommer ab. Eine Photovoltaikanlage liefert gerade an heißen Tagen viel Strom, wenn auch gekühlt wird.
- Kann man die Kühlfunktion nachrüsten?
- Bei vielen Luft-Wasser-Wärmepumpen ist die Kühlung schon eingebaut und muss nur freigeschaltet werden, bei anderen gibt es einen Bausatz. Für passive Kühlung braucht es eine Erdsonde oder einen Brunnen. Dazu kommen Taupunktwächter und passende Dämmung: Frag deinen Fachbetrieb.
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