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Sonne, Erde und Mond

Wie entsteht eine Sonnenfinsternis?

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond zwischen Sonne und Erde, und sein Schatten fällt auf die Erde. Bei einer Mondfinsternis ist es umgekehrt: Der Mond wandert in den Schatten der Erde. Finsternisse gibt es also nur bei Neumond oder Vollmond. Trotzdem gibt es in den meisten Monaten keine, weil die Mondbahn um etwa 5° gegen die Erdbahn geneigt ist.

In dieser Tour verfolgst du die echten Finsternisse vom August 2026 in 3D, findest selbst eine Mondfinsternis und siehst, was eine flache Mondbahn ändern würde.

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Kernschatten und Halbschatten

Der Mond wirft wie jeder beleuchtete Körper einen Schatten, der von der Sonne weg zeigt. Er besteht aus zwei Teilen. Der Kernschatten ist ein schmaler Kegel: Wer darin steht, für den verdeckt der Mond die ganze Sonne. Drumherum liegt der viel breitere Halbschatten, aus dem der Mond nur einen Teil der Sonne verdeckt. Wo der Kernschatten die Erde trifft, sieht man eine totale Sonnenfinsternis, im Halbschatten, Tausende Kilometer breit, eine partielle.

Dass der Mond die Sonne überhaupt ganz verdecken kann, ist ein Zufall der Zahlen. Die Sonne hat etwa den 400-fachen Durchmesser des Mondes, ist aber auch etwa 400-mal so weit weg. Am Himmel sind beide deshalb fast genau gleich groß, etwa ein halbes Grad. Der Kernschatten reicht gerade so bis zu uns: Er ist etwa 374.000 km lang, und der Mond ist zwischen 356.000 und 406.000 km von der Erde entfernt.

Schritt für Schritt

Die totale Sonnenfinsternis vom 12. August 2026

Am Abend des 12. August 2026 zog der Neumond genau zwischen Sonne und Erde hindurch. Sein Kernschatten traf zuerst in der Arktis auf die Erde, wanderte über Grönland und Island und erreichte eine Stunde später Nordspanien. Dort verschwand die Sonne bis zu etwa zwei Minuten lang ganz, tief im Westen, kurz vor Sonnenuntergang.

Im übrigen Europa war die Finsternis partiell. In Deutschland verdeckte der Mond etwa 85 bis 90 % der Sonne: Das Licht wurde seltsam fahl, dunkel wurde es aber nicht. So erleben die meisten Menschen eine Sonnenfinsternis. Der Kernschatten ist nur ein kleiner dunkler Fleck auf der großen Erdkugel, der Halbschatten um ihn herum ist viel größer.

Warum nicht jeden Monat eine Sonnenfinsternis?

Alle 29,5 Tage, bei jedem Neumond, steht der Mond zwischen Erde und Sonne. Eine verbreitete Erklärung, warum das nicht reicht: Der Mond sei meistens zu klein, um die Sonne zu verdecken. Das stimmt nicht. Die Größe passt fast immer: Steht der Mond genau in einer Linie mit der Sonne, verdeckt er sie auch. Es liegt an der Linie, nicht an der Größe.

Die Mondbahn ist um etwa 5° gegen die Ebene der Erdbahn geneigt. Das klingt nach wenig, reicht aber, damit der Mond bei seinem Abstand meist deutlich über oder unter der Linie von der Sonne zur Erde vorbeizieht. Beim Neumond am 10. Oktober 2026 zum Beispiel lief der Kernschatten unter der Erde vorbei und verfehlte sie um fast 19.000 km, etwa anderthalb Erddurchmesser.

Läge die Mondbahn flach in der Erdbahnebene, gäbe es bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis und bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis, zusammen etwa 25 im Jahr. Nur die Neigung macht Finsternisse selten.

Mondknoten und Finsternis-Zeiten

Die geneigte Mondbahn schneidet die Ebene der Erdbahn in zwei Punkten, den Mondknoten (früher auch Drachenpunkte genannt). Nur in ihrer Nähe können Sonne, Mond und Erde genau in einer Linie stehen. Am 12. August 2026 fiel der Neumond fast genau auf einen Knoten, deshalb traf sein Schatten die Erde.

Die Linie durch die beiden Knoten zeigt ungefähr immer in dieselbe Richtung im Raum, während die Erde um die Sonne läuft. Zweimal im Jahr, im Abstand von etwa 173 Tagen, liegt die Sonne in dieser Linie. Dann kann gut einen Monat lang jeder Neu- oder Vollmond eine Finsternis bringen: die Finsternis-Zeiten. 2026 lagen sie im Februar und März und im August. Weil sich die Knoten langsam rückwärts drehen, einmal in 18,6 Jahren, rücken die Finsternis-Zeiten jedes Jahr um etwa 19 Tage nach vorn.

Wie entsteht eine Mondfinsternis?

Bei einer Mondfinsternis ist es umgekehrt: Die Erde steht zwischen Sonne und Mond, und der Vollmond wandert in den Erdschatten. Einen halben Monat nach einer Sonnenfinsternis steht der Vollmond auf der anderen Seite seiner Bahn, nahe am anderen Knoten. Deshalb kommen Sonnen- und Mondfinsternis oft als Paar, etwa zwei Wochen auseinander.

2026 war es am 28. August so weit. Am frühen Morgen, von Europa aus zu sehen, bedeckte der Kernschatten der Erde höchstens 93 % des Monddurchmessers. Die partielle Phase dauerte gut drei Stunden und war in Amerika, Europa und Afrika zu sehen.

Warum der Mond bei einer Mondfinsternis rot wird

In der Entfernung des Mondes ist der Kernschatten der Erde noch mehr als doppelt so breit wie der Mond. Eine Mondfinsternis dauert deshalb Stunden, und alle auf der Nachtseite der Erde sehen sie zur gleichen Zeit. Eine Sonnenfinsternis ist dagegen nur in einem schmalen Streifen total.

Im Erdschatten verschwindet der Mond nicht, er wird dunkel kupferrot. Die Erdatmosphäre lenkt etwas Sonnenlicht in den Schatten hinein, und auf dem langen Weg durch die Luft wird der blaue Anteil weggestreut. Was beim Mond ankommt, ist das Licht aller Sonnenauf- und -untergänge, die es in diesem Moment rund um die Erde gibt. Deshalb heißt eine totale Mondfinsternis auch Blutmond.

Totale, ringförmige, partielle und hybride Sonnenfinsternis

Total: Der Kernschatten erreicht die Erde, die Sonne verschwindet für ein paar Minuten ganz, und ihre schwache Korona wird sichtbar. Partiell: Du stehst im Halbschatten, oder der Kernschatten verfehlt die Erde ganz, und der Mond knabbert nur ein Stück der Sonne an.

Ringförmig: Die Mondbahn ist eine Ellipse. Fällt eine Finsternis in eine Zeit, in der der Mond weit weg ist, endet sein Kernschatten vor der Erde. Der Mond wirkt dann etwas kleiner als die Sonne und lässt einen hellen Ring um sich frei. Ringförmige Finsternisse sind etwas häufiger als totale.

Hybrid: eine seltene Mischform, in der Mitte des Pfads total, an seinen Enden ringförmig, weil die gewölbte Erdoberfläche dort dem Mond näher ist. Weniger als jede zwanzigste Sonnenfinsternis ist hybrid.

Warum die totale Phase so kurz ist

Wo der Kernschatten die Erde trifft, ist er meist 100 bis 160 km breit, höchstens etwa 270 km. Der Mond läuft mit etwa 3.700 km/h auf seiner Bahn, und auch nach Abzug der Erddrehung rast sein Schatten mit mehr als 1.700 km/h über den Boden. An einem Ort dauert die totale Phase deshalb höchstens ein paar Minuten, theoretisch maximal etwa 7,5.

Irgendwo auf der Erde gibt es etwa alle 18 Monate eine totale Sonnenfinsternis. An einem bestimmten Ort kommt sie aber im Schnitt nur etwa alle 375 Jahre vor. In Deutschland war die letzte am 11. August 1999, die nächste kommt am 3. September 2081.

Totale, partielle und Halbschatten-Mondfinsternis

Auch der Erdschatten hat einen Kernschatten und einen breiteren Halbschatten. Taucht der ganze Mond in den Kernschatten, ist die Mondfinsternis total, und der Mond leuchtet bis zu etwa eindreiviertel Stunden rot. Taucht nur ein Teil ein, wie am 28. August 2026, ist sie partiell: Eine dunkle Delle mit rötlichem Rand wandert über die Scheibe. Streift der Mond nur den Halbschatten, spricht man von einer Halbschattenfinsternis. Der Mond wird dabei so wenig dunkler, dass die meisten es gar nicht bemerken.

Wie oft gibt es eine Sonnenfinsternis?

Jedes Jahr gibt es mindestens zwei und höchstens fünf Sonnenfinsternisse, mit den Mondfinsternissen zusammen vier bis sieben. Die meisten sind partiell oder finden über den Ozeanen und den Polen statt. Mondfinsternisse wirken häufiger, weil jede von der halben Welt aus zu sehen ist, eine Sonnenfinsternis dagegen nur in einem schmalen Streifen total.

Finsternisse wiederholen sich in einem Zyklus von 18 Jahren und 11 Tagen, dem Saros-Zyklus. Danach stehen Sonne, Mond und Mondknoten fast wieder genauso zueinander, und es folgt eine sehr ähnliche Finsternis, um ein Drittel der Erde nach Westen verschoben. Astronominnen und Astronomen können Finsternisse Tausende Jahre voraus und zurück berechnen.

Die nächsten Finsternisse in Europa

2. August 2027: eine totale Sonnenfinsternis mit bis zu 6 Minuten 23 Sekunden Totalität, eine der längsten des Jahrhunderts. Der Pfad führt über Südspanien, Gibraltar, Marokko, Algerien, Libyen und Ägypten. In Deutschland und im übrigen Europa ist sie partiell.

26. Januar 2028: eine ringförmige Sonnenfinsternis, deren Pfad über Portugal und Spanien endet. 31. Dezember 2028: eine totale Mondfinsternis, in Europa zu sehen, mit 71 Minuten Totalität. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland gibt es erst am 3. September 2081.

Sonnenfinsternis sicher beobachten

Schau nie ohne passenden Schutz in die Sonne, auch nicht, wenn sie fast ganz bedeckt ist. Die schmale Sichel ist immer noch hell genug, um die Netzhaut zu verbrennen, und das tut dabei nicht weh. Sonnenbrillen, gerußtes Glas oder mehrere Sonnenbrillen übereinander schützen nicht. Eine Finsternisbrille muss der Norm ISO 12312-2 entsprechen, Ferngläser, Teleskope und Kameras brauchen einen echten Sonnenfilter vor dem Objektiv.

Eine sichere Alternative ist die Projektion: Ein kleines Loch in einem Karton, eine Lochkamera oder die Lücken zwischen den Blättern eines Baums werfen kleine Bilder der Sonnensichel auf den Boden. Nur während der totalen Phase, wenn die Sonne ganz bedeckt ist, darfst du ohne Filter hinschauen. Eine Mondfinsternis kannst du ohne jeden Schutz beobachten.

Häufige Fragen

Warum gibt es eine Sonnenfinsternis nur bei Neumond?

Nur bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne, und nur dann kann sein Schatten auf die Erde fallen. Eine Mondfinsternis gibt es entsprechend nur bei Vollmond, wenn der Mond hinter der Erde in ihrem Schatten steht.

Welcher Planet schiebt sich bei einer Sonnenfinsternis vor die Sonne?

Gar keiner, es ist der Mond. Nur er ist nah genug, um die Sonne zu verdecken. Wenn Venus oder Merkur vor der Sonne vorbeiziehen, sieht man nur einen winzigen schwarzen Punkt. Das nennt man einen Transit.

Wie lange dauert eine Sonnenfinsternis?

Vom ersten Anknabbern bis zum Ende etwa zwei bis drei Stunden an einem Ort. Die totale Phase selbst dauert nur ein paar Minuten, höchstens etwa 7,5. Über die ganze Erde braucht der Schatten mehrere Stunden.

Warum ist eine Sonnenfinsternis gefährlich für die Augen?

Der unbedeckte Teil der Sonne ist so hell wie immer, aber das gedämpfte Licht verleitet zum längeren Hinschauen, und die Pupillen öffnen sich weiter. Das Licht kann die Netzhaut schmerzlos verbrennen, der Schaden kann bleiben. Nimm eine Finsternisbrille nach ISO 12312-2 oder projiziere das Sonnenbild.

Wann ist die nächste Sonnenfinsternis in Deutschland?

Am 2. August 2027 gibt es in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis, total ist sie in Südspanien und Nordafrika. Die nächste totale Sonnenfinsternis in Deutschland kommt erst am 3. September 2081.

Kann man Finsternisse vorhersagen?

Ja, auf die Sekunde und Tausende Jahre im Voraus. Die Bewegungen von Sonne, Mond und Erde sind genau bekannt, und schon die Babylonier nutzten den Saros-Zyklus von 18 Jahren und 11 Tagen, um Finsternisse vorherzusagen.

Weitere Fragen zu diesem Thema

KI-generierte Simulation. Sie kann Fehler enthalten.