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Sonne, Erde und Mond

Wie entstehen die Jahreszeiten?

Die Jahreszeiten entstehen durch die Neigung der Erdachse um etwa 23,4°. Ein halbes Jahr lang neigt sich deine Hälfte der Erde zur Sonne: Das Licht fällt steiler ein und die Tage sind länger, deshalb wird es warm. Am Abstand zur Sonne liegt es nicht. Am nächsten ist die Erde Anfang Januar, mitten im Winter der Nordhalbkugel.

In dieser Tour bewegst du die Erde in 3D durchs Jahr, neigst ihre Achse und stellst dich auf den Boden, um den Sonnenbogen zu verfolgen, bis du den Grund selbst siehst.

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Am Abstand zur Sonne liegt es nicht

Die häufigste Erklärung lautet: Im Sommer ist die Erde näher an der Sonne. Das klingt einleuchtend, denn die Erdbahn ist kein perfekter Kreis. Die Zahlen passen aber nicht: Am nächsten kommt die Erde der Sonne Anfang Januar, mit etwa 147 Millionen km. Am weitesten entfernt ist sie Anfang Juli, mit etwa 152 Millionen km. Das ist ein Unterschied von nur rund 3 %, und auf der Nordhalbkugel fällt der sonnennächste Punkt mitten in den Winter.

Es gibt noch eine einfachere Probe: Wenn in Deutschland Winter ist, ist in Australien Sommer. Beide liegen auf demselben Planeten, am selben Tag gleich weit von der Sonne entfernt. Der Abstand kann also nicht die eine Hälfte warm und die andere kalt machen. Es muss etwas anderes sein, das sich zwischen den beiden Hälften der Erde unterscheidet.

Schritt für Schritt

Die Erdachse ist um 23,4° geneigt

Die Erde dreht sich um eine Achse durch Nord- und Südpol. Diese Achse steht nicht senkrecht auf der Bahn der Erde um die Sonne, sondern ist um etwa 23,4° geneigt. Und sie zeigt das ganze Jahr über in dieselbe Richtung im Raum, zum Polarstern.

Auf ihrem Weg um die Sonne neigt die Erde deshalb mal die Nordhalbkugel zur Sonne hin und ein halbes Jahr später von ihr weg. Um den 21. Juni steht die Sonne mittags senkrecht über dem nördlichen Wendekreis, 23,4° nördlich des Äquators. Um den 21. Dezember steht sie senkrecht über dem südlichen Wendekreis, 23,4° südlich. Die Hälfte, die sich zur Sonne neigt, hat Sommer, die andere Winter.

Steiles Licht wärmt mehr als flaches

Stell dir zwei gleich breite Bündel Sonnenlicht vor. Das eine trifft steil von oben auf den Boden und beleuchtet eine kleine, runde Fläche. Das andere fällt schräg ein und verteilt sich auf ein langes Oval. Beide bringen dieselbe Energie mit, aber das schräge Bündel verteilt sie auf eine größere Fläche. Jeder Quadratmeter bekommt weniger ab.

Genau das ändert die Neigung im Lauf des Jahres. In Berlin steigt die Sonne im Juni mittags auf etwa 61° über den Horizont, im Dezember nur auf etwa 14°. Die tiefe Wintersonne wärmt kaum, nicht weil sie weiter weg ist, sondern weil ihr Licht so flach einfällt.

Im Sommer sind die Tage länger

Die Neigung hat noch eine zweite Folge. Wenn sich deine Hälfte der Erde zur Sonne neigt, liegt ein größerer Teil deines Breitenkreises auf der Tagseite. Du verbringst also einen größeren Teil jeder Erddrehung im Sonnenlicht. In Berlin dauert der längste Tag um den 21. Juni fast 17 Stunden, der kürzeste um den 21. Dezember nicht einmal 8.

Mehr Sonnenstunden heißen mehr Zeit, in der sich Boden und Luft erwärmen, und weniger Nachtstunden, in denen sie wieder abkühlen.

Beides zusammen macht den Unterschied

Steileres Licht und längere Tage wirken in dieselbe Richtung. Zusammen ergeben sie einen großen Unterschied: Am 21. Juni bekommt ein Quadratmeter in Berlin über den Tag etwa 11,5 kWh Sonnenlicht (gemessen außerhalb der Atmosphäre), am 21. Dezember nur etwa 1,7 kWh, fast siebenmal weniger. Die 3 % Unterschied im Abstand fallen dagegen kaum ins Gewicht.

Ohne Neigung gäbe es keine Jahreszeiten

Eine Erklärung prüft man am besten, indem man die Ursache abschaltet. Stünde die Erdachse senkrecht, stünde die Sonne an jedem Tag des Jahres senkrecht über dem Äquator. Jeder Ort hätte das ganze Jahr dieselbe Mittagssonne und dieselbe Tageslänge: keinen Sommer und keinen Winter, nur einen kalten Norden und einen warmen Äquator. In der Tour kannst du die Neigung auf 0° stellen und zusehen, wie die Kurven des Jahres flach werden.

Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen

Vier Tage markieren die Wendepunkte des Jahres. Zur Sommersonnenwende (21. Juni 2026) neigt sich die Nordhalbkugel am stärksten zur Sonne: Im Norden ist der längste Tag, im Süden der kürzeste. Zur Wintersonnenwende (21. Dezember 2026) ist es umgekehrt.

An den beiden Tagundnachtgleichen (20. März und 23. September 2026) neigt sich keine Hälfte zur Sonne. Die Sonne steht senkrecht über dem Äquator, und Tag und Nacht dauern überall auf der Erde etwa 12 Stunden. Astronomisch beginnen die Jahreszeiten an diesen vier Tagen. Der Wetterdienst lässt sie einfacher am 1. März, 1. Juni, 1. September und 1. Dezember beginnen.

Jahreszeiten rund um die Erde

Wie stark die Jahreszeiten ausfallen, hängt davon ab, wie weit du vom Äquator entfernt bist. In Äquatornähe steht die Sonne mittags das ganze Jahr hoch, und die Tageslänge ändert sich kaum. Einen richtigen Sommer und Winter gibt es dort nicht. Viele Orte in den Tropen haben stattdessen eine Regen- und eine Trockenzeit.

Je näher du einem Pol kommst, desto größer wird der Unterschied zwischen Sommer und Winter, bei der Mittagssonne wie bei der Tageslänge. Jenseits der Polarkreise, bei etwa 66,6° nördlicher und südlicher Breite, geht die Sonne um Mittsommer gar nicht unter und um Mittwinter gar nicht auf. Auf der Südhalbkugel läuft all das um ein halbes Jahr versetzt: In Australien und Südafrika fällt Weihnachten in den Hochsommer.

Warum die heißesten Tage nach dem längsten Tag kommen

Das meiste Sonnenlicht kommt um den 21. Juni an. In Mitteleuropa sind aber meist Juli und Anfang August am wärmsten, und die kältesten Wochen liegen im Januar, nicht im Dezember. Meere und Land speichern Wärme. Im Frühsommer nehmen sie noch mehr Energie auf, als sie abgeben, deshalb wird es nach der Sonnenwende noch wochenlang wärmer. Im Winter ist es umgekehrt. Diese Verzögerung lässt die Jahreszeiten der Sonne ein paar Wochen hinterherhinken.

Häufige Fragen

Ist die Erde im Sommer näher an der Sonne?

Nein. Am nächsten ist die Erde der Sonne Anfang Januar, also im Winter der Nordhalbkugel, am weitesten Anfang Juli. Der Abstand ändert sich nur um etwa 3 %, zu wenig für die Jahreszeiten.

Warum ist in Australien Sommer, wenn bei uns Winter ist?

Weil die Erdachse geneigt ist. Während sich die Nordhalbkugel im Juni zur Sonne neigt, neigt sich die Südhalbkugel von ihr weg, im Dezember umgekehrt. Deshalb haben die beiden Hälften der Erde immer entgegengesetzte Jahreszeiten.

Warum gibt es am Äquator keine Jahreszeiten?

Am Äquator steht die Mittagssonne das ganze Jahr hoch, und Tag und Nacht dauern immer etwa 12 Stunden. Die Menge an Sonnenlicht ändert sich kaum, also auch die Temperatur nicht. Viele Gebiete in den Tropen haben stattdessen Regen- und Trockenzeiten.

Ändert sich die Neigung der Erdachse?

Nur sehr langsam. In einem Zyklus von etwa 41.000 Jahren schwankt die Neigung zwischen etwa 22,1° und 24,5°. Eine stärkere Neigung bedeutet ausgeprägtere Jahreszeiten. Heute liegt sie bei etwa 23,4° und nimmt langsam ab.

Haben andere Planeten auch Jahreszeiten?

Ja, wenn ihre Achse geneigt ist. Der Mars ist um etwa 25° geneigt und hat Jahreszeiten wie die Erde, nur jeweils etwa doppelt so lang. Uranus liegt mit etwa 98° fast auf der Seite: Jeder Pol hat jahrzehntelang Tag und danach jahrzehntelang Nacht.

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