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Sonne, Erde und Mond

Wo geht die Sonne auf?

Die Sonne geht im Osten auf, aber genau im Osten nur um die Tagundnachtgleichen, etwa am 20. März und 23. September. Im Sommer geht sie im Nordosten auf, im Winter im Südosten: in Berlin irgendwo zwischen 48° und 129° auf dem Kompass. Mittags steht sie genau im Süden, aber außerhalb der Tropen nie senkrecht über dir.

In dieser Tour beobachtest du den Sonnenaufgang in Berlin übers Jahr, suchst die Orte, an denen die Sonne senkrecht steht, und siehst auf der Südhalbkugel die Mittagssonne im Norden.

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Geht die Sonne immer im Osten auf?

Grob gesagt ja. Die Erde dreht sich einmal am Tag von West nach Ost. Deshalb scheint die Sonne, wie jeder Stern, irgendwo in der östlichen Hälfte des Horizonts aufzugehen und in der westlichen unterzugehen. Das gilt überall auf der Erde, auf der Nord- wie auf der Südhalbkugel. Ausnahmen sind nur die Polargebiete an den Tagen, an denen die Sonne gar nicht aufgeht.

Genau genommen nein. Exakt im Osten, bei 90° auf dem Kompass, geht die Sonne nur um die Tagundnachtgleichen auf, etwa am 20. März und am 23. September. Den Rest des Jahres wandert der Aufgangspunkt am Horizont entlang: bis Ende Juni nach Nordosten, dann zurück und weiter nach Südosten bis Ende Dezember. In Berlin sind das 81°, fast ein Viertel des ganzen Horizonts. Beim Untergang ist es genauso: genau im Westen nur um die Tagundnachtgleichen, im Sommer im Nordwesten, im Winter im Südwesten.

Was am Merkspruch stimmt und was nicht

Viele lernen in der Grundschule: „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie untergehn, im Norden ist sie nie zu sehn.“ Als grobe Orientierung für Deutschland passt der Spruch. Wörtlich genommen stimmt er nur an wenigen Tagen.

Osten und Westen gelten exakt nur um den 20. März und den 23. September. „Im Süden nimmt sie ihren Lauf“ stimmt für den Mittag: Dann steht die Sonne bei uns jeden Tag genau im Süden. Und „im Norden nie zu sehn“ stimmt im Sommer nicht ganz: Am 21. Juni geht die Sonne in Berlin bei 48° auf, also deutlich nördlich von Osten, und sie geht entsprechend weit im Nordwesten unter. Auf der Südhalbkugel steht die Mittagssonne sogar im Norden.

Schritt für Schritt

Genau im Osten nur um den 20. März und 23. September

Am 20. März geht die Sonne in Berlin bei 89° auf, also praktisch genau im Osten, und fast genau im Westen unter. Tag und Nacht sind etwa gleich lang, mit 12,2 Stunden Tageslicht. Um den 23. September passiert dasselbe. Das sind die Tagundnachtgleichen: Die Sonne steht genau über dem Äquator, und ihr Tagbogen am Himmel liegt zur Hälfte über und zur Hälfte unter dem Horizont.

Oft heißt es, so sei es jeden Tag. Das stimmt nicht. Am 21. Juni, dem längsten Tag, geht die Sonne in Berlin bei 48° auf, 42° weiter nördlich als im März, und zwar schon gegen 3:35 Uhr Sonnenzeit. Ihr Bogen über den Himmel ist so viel länger, dass der Tag 16,8 Stunden dauert. Der Tag, an dem sie am genauesten im Osten aufgeht, verschiebt sich etwas, weil die Luft das Bild der Sonne über den Horizont hebt: In Berlin sind es der 19. März und der 24. September.

Im Sommer im Nordosten, im Winter im Südosten

Nach der Tagundnachtgleiche im September wandert der Aufgangspunkt weiter, jetzt nach Süden. Ende Oktober geht die Sonne in Berlin bei etwa 112° auf, genau zwischen Osten und Südosten. Am 21. Dezember, dem kürzesten Tag, geht sie bei 129° auf, 39° südlich von Osten, und erst nach 8 Uhr Sonnenzeit. Nur 7,7 Stunden bleibt sie über dem Horizont.

Übers Jahr wandert der Sonnenaufgang in Berlin also von 48° im Juni bis 129° im Dezember und wieder zurück: im Sommer Nordosten, im Frühling und Herbst Osten, im Winter Südosten. Der Untergang spiegelt das im Westen. Deshalb fällt die Morgensonne im Juni durch ein Ostfenster weit in die nördliche Ecke des Zimmers, im Dezember dagegen nur flach von Südosten.

Mittags steht die Sonne im Süden, aber nie senkrecht

Genau zwischen Aufgang und Untergang, am Mittag nach Sonnenzeit, steht die Sonne in Berlin genau im Süden, an jedem Tag des Jahres. Wie hoch sie dann steht, hängt vom Datum ab: am 21. Dezember 14°, zu den Tagundnachtgleichen 37° und am 21. Juni 61°. Über 60° kommt sie nur von Anfang Juni bis Anfang Juli.

Dahinter steckt eine einfache Regel für den Sonnenstand am Mittag: 90° minus Breitengrad, plus oder minus die Neigung der Erdachse. Für Berlin auf 52,5° Nord ergibt das 90° − 52,5° + 23,4° = 61° im Juni und 90° − 52,5° − 23,4° = 14° im Dezember. Senkrecht über dir steht die Sonne in Berlin also nie, und auch sonst nirgends in Europa: Sie bleibt immer mindestens 29° vom Punkt genau über dir entfernt.

Der Grund: die geneigte Erdachse

Die Erdachse ist um 23,4° geneigt und zeigt immer in dieselbe Richtung im Raum. Am 21. Juni neigt sich die Nordhalbkugel zur Sonne, und die Sonne steht senkrecht über 23,4° Nord, dem nördlichen Wendekreis. Berlin liegt 29° weiter nördlich, also steht die Mittagssonne dort 90° − 29° = 61° hoch. Am 21. Dezember steht die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis auf 23,4° Süd, und Berlin ist 76° davon entfernt.

Dieselbe Neigung verschiebt den Sonnenaufgang. Im Juni liegt der Tagbogen der Sonne nördlich des Himmelsäquators, deshalb geht sie nördlich von Osten auf und nördlich von Westen unter. Im Dezember liegt er südlich davon, die Sonne geht südlich von Osten auf. Nur zu den Tagundnachtgleichen, wenn die Sonne genau über dem Äquator steht, schneidet ihr Bogen den Horizont genau im Osten und im Westen.

Senkrecht stehen kann die Sonne nur zwischen den beiden Wendekreisen, von 23,4° Nord bis 23,4° Süd. Am Äquator passiert das um den 20. März und den 23. September, an jedem Wendekreis einmal im Jahr und dazwischen an zwei Tagen im Jahr.

Auf der Südhalbkugel steht die Mittagssonne im Norden

Südlich des südlichen Wendekreises ist alles gespiegelt. Auf 34° Süd, dem Breitengrad von Sydney, ist der 21. Juni mitten im Winter: Die Sonne geht bei 62° im Nordosten auf, steht mittags nur 33° hoch im Norden und geht nach 9,9 Stunden im Nordwesten unter. Im Dezember geht sie bei 119° im Südosten auf und steigt auf fast 80° im Norden.

Auch in Australien, Südafrika oder Argentinien geht die Sonne also im Osten auf und im Westen unter. Wer sie mittags anschauen will, blickt aber nach Norden, und sie wandert von rechts nach links über den Himmel, andersherum als bei uns.

Sonnenaufgang je nach Breitengrad

Je weiter du vom Äquator entfernt bist, desto weiter schwingt der Sonnenaufgang übers Jahr. Hier die Aufgangspunkte (Grad auf dem Kompass, 90° = genau Osten) und die Mittagshöhen am 21. Juni und am 21. Dezember im 3D-Modell. Zu den Tagundnachtgleichen geht die Sonne überall bei etwa 90° auf.

Am Äquator geht die Sonne im Juni bei 67° und im Dezember bei 113° auf, ein Schwung von 47°. Mittags steht sie im Juni 67° hoch im Norden, im Dezember 67° hoch im Süden und zu den Tagundnachtgleichen fast senkrecht. Jeder Tag dauert dort etwa 12 Stunden.

Wien (48,2° N): Aufgang 52° im Juni, 125° im Dezember; Mittagshöhe 65° und 18°. Berlin (52,5° N): 48° und 129°; mittags 61° und 14°. Zum Vergleich London (51,5° N): 49° und 128°; mittags 62° und 15°. New York (40,7° N): 58° und 121°; mittags 73° und 26°.

Breitengrad von Sydney (33,9° S): 62° im Juni und 119° im Dezember; mittags 33° und fast 80°, beide Male im Norden. In Tromsø (69,7° N) geht die Sonne um die Sonnenwenden gar nicht auf: Im Juni geht sie nicht unter, im Dezember bleibt sie unter dem Horizont (mehr dazu in der Tour zu Mitternachtssonne und Polarnacht). Nahe den Polarkreisen schwingt der Aufgangspunkt fast einmal herum, von Norden bis fast nach Süden.

Mit der Sonne die Himmelsrichtung finden

Am zuverlässigsten zeigt die Sonne die Richtung am Mittag: In Deutschland und überall nördlich des nördlichen Wendekreises steht sie dann genau im Süden, und die Schatten zeigen genau nach Norden. Südlich des südlichen Wendekreises ist es umgekehrt. Mittag nach der Sonne ist aber nicht 12:00 Uhr auf der Uhr. In Deutschland liegt er im Sommer ungefähr zwischen 12:50 und 13:45 Uhr, im Winter eine Stunde früher, je nachdem, wo du bist und welcher Tag ist. Warum, erklärt die Tour zu Tag und Nacht mit den Zeitzonen.

Sonnenauf- und -untergang sind viel ungenauer. Osten und Westen zeigen sie nur um die Tagundnachtgleichen. Im Juni geht die Sonne in Berlin 42° nördlich von Osten auf, im Dezember 39° südlich davon. Wer im Hochsommer oder Hochwinter den Sonnenaufgang für Osten hält, liegt fast einen halben rechten Winkel daneben.

Häufige Fragen

Geht die Sonne überall auf der Erde im Osten auf?

Ja, in der östlichen Hälfte des Horizonts, weil sich die Erde überall von West nach Ost dreht, auch auf der Südhalbkugel. Genau im Osten geht sie nur um die Tagundnachtgleichen auf. Ausnahmen sind die Polargebiete, wo die Sonne um die Sonnenwenden tage- oder monatelang nicht auf- oder untergeht, und die Pole selbst, an denen jede Richtung Süden oder Norden ist.

An welchem Tag geht die Sonne genau im Osten auf?

Um die Tagundnachtgleichen, etwa am 20. März und am 23. September. Weil die Luft das Bild der Sonne etwas über den Horizont hebt, verschiebt sich der genaueste Tag ein wenig: In Berlin sind es der 19. März und der 24. September, dann geht die Sonne weniger als ein halbes Grad neben genau Osten auf.

Warum geht die Sonne im Osten auf?

Weil sich die Erde einmal am Tag von West nach Ost dreht. Wer auf ihr steht, wird von Westen her zur Sonne hingedreht. Deshalb scheint sie am östlichen Horizont aufzutauchen und nach Westen über den Himmel zu ziehen. Die Tour zu Tag und Nacht zeigt diese Drehung.

Steht die Sonne mittags senkrecht?

Nur zwischen den Wendekreisen, auf 23,4° Nord und Süd, und dort nur an einem oder zwei Tagen im Jahr. Überall sonst bleibt die Mittagssonne tiefer. In Berlin erreicht sie höchstens 61°, am 21. Juni, und am 21. Dezember nur 14°.

Wo geht die Sonne auf der Südhalbkugel auf?

Auch im Osten, aber die Jahreszeiten sind vertauscht: Im Juni, dem Südwinter, geht sie im Nordosten auf, im Dezember, dem Südsommer, im Südosten. Mittags steht sie im Norden, nicht im Süden.

Weitere Fragen zu diesem Thema

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