Wie entstehen die Mondphasen?
Der Mond leuchtet nicht selbst: Die Sonne beleuchtet immer eine Hälfte von ihm. Während er einmal im Monat um die Erde läuft, sehen wir mehr oder weniger von dieser hellen Hälfte, von der schmalen Sichel bis zum Vollmond und zurück. Der Erdschatten hat damit nichts zu tun.
In dieser Tour siehst du in 3D, wie der Mond die Erde umkreist, verfolgst seine Phasen vom Boden in Berlin aus und findest selbst den Vollmond.
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3D-Tour hier startenMondlicht ist Sonnenlicht
Der Mond leuchtet nicht selbst. Seine Oberfläche aus grauem Gestein und Staub wirft nur etwa 12 % des Sonnenlichts zurück, ungefähr so viel wie alter Asphalt. Hell wirkt er nur, weil der Himmel um ihn herum nachts schwarz ist.
Alles, was du vom Mond siehst, ist also der Teil, auf den gerade die Sonne scheint. Damit lässt sich der ganze Kreislauf der Mondphasen erklären: Der Mond ändert nie seine Form. Es ändert sich nur, wie viel von seiner beleuchteten Seite zu uns zeigt.
Schritt für Schritt
Ein Halbmond am Abendhimmel
Am 18. Oktober 2026 steht der Mond in Berlin kurz nach Sonnenuntergang tief im Süden, und genau seine rechte Hälfte leuchtet. Das ist das erste Viertel, der zunehmende Halbmond. Acht Tage vorher, am 10. Oktober, war Neumond, und der Mond war gar nicht zu sehen. Am 26. Oktober ist Vollmond, am 1. November wieder Halbmond, diesmal links beleuchtet, und mit dem Neumond am 9. November beginnt alles von vorn.
Von einem Neumond bis zum nächsten vergehen im Mittel 29,5 Tage. Dieser Rhythmus ist so alt, dass der Monat nach dem Mond benannt ist.
Der Erdschatten ist es nicht
Eine verbreitete Erklärung lautet: Der dunkle Teil des Mondes liegt im Schatten der Erde. Das klingt plausibel, passt aber nicht zur Anordnung von Sonne, Erde und Mond. Der Erdschatten zeigt immer genau von der Sonne weg. Bei Halbmond hat der Mond erst ein Viertel seiner Bahn hinter sich und steht seitlich neben der Erde, weit weg von ihrem Schatten.
Auch am Himmel kannst du das sehen. Eine schmale Sichel steht immer nah bei der Sonne, abends tief im Westen oder morgens tief im Osten. Der Erdschatten zeigt aber in die entgegengesetzte Richtung. Er trifft den Mond nur bei Vollmond, und dann ist es eine Mondfinsternis: eine rötliche Verdunkelung, die in wenigen Stunden über die volle Scheibe wandert und mit einer Mondphase nichts zu tun hat.
Der Mond hat immer eine Tag- und eine Nachtseite
Der Mond ist eine Kugel, die von einer Seite beleuchtet wird, genau wie die Erde. Auf der einen Hälfte ist immer Tag, auf der anderen Nacht. Im Lauf des Monats ändert sich nur, von wo aus wir auf diese Tagseite schauen.
Bei Neumond steht der Mond ungefähr zwischen Erde und Sonne, und seine Nachtseite zeigt zu uns. Bei Halbmond schauen wir von der Seite: Wir sehen die Hälfte seiner Tagseite und die Hälfte seiner Nachtseite. Deshalb heißt der Halbmond auch erstes oder letztes Viertel, obwohl die Hälfte leuchtet: Der Name zählt die Viertel des Mondumlaufs, nicht die helle Fläche.
Der Vollmond geht auf, wenn die Sonne untergeht
Bei Vollmond steht der Mond auf der anderen Seite der Erde, der Sonne gegenüber, und wir schauen direkt auf seine Tagseite. Daraus folgt auch sein Fahrplan: Wenn die Sonne im Westen untergeht, geht der Vollmond im Osten auf. Um Mitternacht steht er am höchsten, bei Sonnenaufgang geht er unter. Am 25. Oktober 2026 erscheint er im Ostnordosten, während die Sonne untergeht.
Damit erklärt sich auch, warum der Vollmond im Winter so hoch steht und im Sommer so tief: Er nimmt immer ungefähr den Weg, den die Sonne ein halbes Jahr später nimmt. Auch die anderen Phasen haben feste Zeiten. Der zunehmende Halbmond steht bei Sonnenuntergang im Süden, der abnehmende bei Sonnenaufgang.
Zunehmend, abnehmend und warum ein Mondmonat 29,5 Tage dauert
Vom Neumond zum Vollmond wird der helle Teil größer, der Mond nimmt zu. Vom Vollmond zum nächsten Neumond wird er kleiner, der Mond nimmt ab. Von Deutschland aus ist ein zunehmender Mond rechts beleuchtet und ein abnehmender links, weil der Mond auf seiner Bahn nach Osten weiterzieht, während die Sonne an ihrem Platz bleibt.
Einmal um die Erde braucht der Mond nur 27,3 Tage, gemessen an den Sternen. In dieser Zeit ist die Erde aber mit ihm rund 27° weiter um die Sonne gewandert, und die Sonne steht in einer anderen Richtung. Der Mond braucht gut zwei Tage länger, bis er wieder zwischen Erde und Sonne steht. Deshalb dauert ein ganzer Durchlauf der Mondphasen 29,5 Tage.
Welche Mondphasen gibt es?
Man unterscheidet vier Hauptphasen, die jeweils etwa 7,4 Tage auseinanderliegen: Neumond, erstes Viertel (zunehmender Halbmond), Vollmond und letztes Viertel (abnehmender Halbmond). Dazwischen liegen vier Übergänge, zusammen also acht Mondphasen.
Neumond: Der Mond geht mit der Sonne auf und unter und ist in ihrem Licht nicht zu sehen. Zunehmende Sichel: eine schmale, rechts beleuchtete Sichel, abends tief im Westen. Erstes Viertel: Die rechte Hälfte leuchtet; der Mond geht gegen Mittag auf und gegen Mitternacht unter. Zunehmender Dreiviertelmond: mehr als halb beleuchtet, abends hoch am Himmel. Vollmond: die ganze Scheibe, die ganze Nacht sichtbar. Abnehmender Dreiviertelmond: geht am späten Abend auf und steht morgens noch am Himmel. Letztes Viertel: Die linke Hälfte leuchtet; der Mond geht gegen Mitternacht auf und steht bei Sonnenaufgang hoch im Süden. Abnehmende Sichel: schmal und links beleuchtet, morgens tief im Osten.
Im Mittel geht der Mond jeden Tag etwa 50 Minuten später auf. Er wandert auf seiner Bahn täglich rund 12° nach Osten weiter, und so lange braucht die Erde, um sich diese 12° weiterzudrehen.
Zunehmend oder abnehmend? Die Eselsbrücke
Bei uns gilt: Ist der Mond rechts hell, nimmt er zu; ist er links hell, nimmt er ab. Als Eselsbrücke dient die Schreibschrift. Denk dir an die Spitzen der Sichel einen senkrechten Strich. Ergibt sich ein kleines a, nimmt der Mond ab. Ergibt sich ein z, wie man es früher in der deutschen Schrift schrieb, nimmt er zu.
Eine zweite Eselsbrücke ist die Uhrzeit. Ein Mond, den du am frühen Abend siehst, nimmt zu, einer am Morgenhimmel nimmt ab. Die Regel mit der hellen Seite gilt übrigens nur auf der Nordhalbkugel, außerhalb der Tropen.
Mondphasen auf der Südhalbkugel
Die Mondphase ist zur selben Zeit überall auf der Erde gleich: Wenn in Berlin Vollmond ist, ist auch in Sydney Vollmond. Anders ist nur, wie der Mond aussieht. Auf der Südhalbkugel schaut man nach Norden, um den Mond zu sehen, und sieht ihn deshalb im Vergleich zu uns auf dem Kopf. Ein zunehmender Mond ist dort links beleuchtet, und die Eselsbrücke mit a und z funktioniert genau verkehrt herum.
In der Nähe des Äquators zieht der Mond fast senkrecht über den Himmel, und eine Sichel kann wie ein Boot auf dem Rücken liegen.
Warum wir immer dieselbe Seite sehen
Der Mond dreht sich durchaus um sich selbst, und zwar genau einmal pro Umlauf. Weil Drehung und Umlauf gleich lange dauern, 27,3 Tage, zeigt er der Erde immer dieselbe Seite. Man nennt das gebundene Rotation: Die Anziehung der Erde hat die Drehung des Mondes so lange gebremst, bis beides zusammenpasste. Weil der Mond dabei etwas schwankt, sehen wir mit der Zeit rund 59 % seiner Oberfläche.
Die Rückseite wird oft die dunkle Seite genannt, ist aber nicht dunkler als die Vorderseite. Sie bekommt genauso viel Sonnenlicht, sie zeigt nur nie zu uns. Bei Neumond, wenn die uns zugewandte Seite dunkel ist, herrscht auf der Rückseite heller Tag.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Mondzyklus?
Von einem Neumond zum nächsten vergehen im Mittel 29,5 Tage. Die vier Hauptphasen folgen etwa alle 7,4 Tage aufeinander. Weil die Mondbahn eine Ellipse ist, kann ein einzelner Zyklus bis zu etwa sieben Stunden kürzer oder länger sein.
Warum sieht man den Mond manchmal am Tag?
Der Mond steht in jeder Phase ungefähr einen halben Tag lang über dem Horizont, und er ist hell genug, um durch den blauen Himmel zu scheinen. Am leichtesten findest du ihn um die Halbmonde herum: das erste Viertel am Nachmittag, das letzte Viertel am Vormittag.
Gibt es eine dunkle Seite des Mondes?
Keine, die immer dunkel ist. Die Rückseite bekommt genauso viel Sonnenlicht wie die Vorderseite. Wir sehen sie nur nie, weil der Mond sich einmal pro Umlauf dreht und uns deshalb immer dieselbe Seite zeigt.
Sind die Mondphasen überall auf der Welt gleich?
Ja. Alle sehen zur selben Zeit dieselbe Phase, denn sie hängt nur davon ab, wo der Mond auf seiner Bahn steht. Anders ist nur die Lage: Auf der Südhalbkugel steht der Mond auf dem Kopf, ein zunehmender Mond ist dort links hell.
Warum leuchtet bei einer schmalen Sichel der Rest des Mondes schwach grau?
Das ist das aschgraue Mondlicht, auch Erdschein genannt. Sonnenlicht, das die Erde zurückwirft, beleuchtet die Nachtseite des Mondes. Am stärksten ist es bei einer schmalen Sichel, denn dann sieht der Mond die Erde fast voll beleuchtet.
Warum gibt es nicht bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis?
Die Mondbahn ist um etwa 5° gegen die Erdbahn geneigt. Bei den meisten Vollmonden zieht der Mond deshalb knapp über oder unter dem Erdschatten vorbei. Eine Mondfinsternis gibt es nur, wenn ein Vollmond nahe an einem der beiden Punkte liegt, an denen sich die Bahnen kreuzen.
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