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Sonne, Erde und Mond

Wie entstehen Tag und Nacht?

Die Erde dreht sich alle 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse. Auf der Hälfte, die zur Sonne zeigt, ist Tag, auf der anderen Nacht. Die Sonne wandert nicht um die Erde, vom Boden aus sieht es nur so aus. Und weil sich die Erde dreht, ist an jedem Ort zu einem anderen Zeitpunkt Mittag. Deshalb gibt es Zeitzonen.

In dieser Tour siehst du in 3D, wie sich die Erde dreht, machst Nacht in Berlin und findest heraus, warum New York 6 Stunden zurückliegt.

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Drehung, nicht Umlauf

Die Erde bewegt sich auf zwei Arten gleichzeitig, und die werden oft verwechselt. Sie dreht sich um ihre eigene Achse, das ist die Erdrotation. Und sie wandert auf ihrer Bahn um die Sonne, das ist der Erdumlauf, auch Revolution genannt. Eine Drehung dauert rund 24 Stunden und bringt Tag und Nacht. Ein Umlauf dauert ein Jahr und sorgt, zusammen mit der schrägen Erdachse, für die Jahreszeiten.

Würde sich die Erde gar nicht drehen, gäbe es trotzdem Tag und Nacht, nur sehr langsam: Jede Seite läge ungefähr ein halbes Jahr lang im Sonnenlicht und ein halbes Jahr im Dunkeln. Der schnelle Wechsel alle 24 Stunden kommt allein von der Drehung.

Schritt für Schritt

Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal

Die Erde dreht sich um eine gedachte Achse, die vom Nordpol zum Südpol durch sie hindurchgeht. Sie dreht sich von Westen nach Osten, vom Nordpol aus gesehen also gegen den Uhrzeigersinn. Bis die Sonne wieder an derselben Stelle steht, vergehen 24 Stunden. In jeder Stunde dreht sich die Erde also um 15°.

Jeder Ort wird bei dieser Drehung mitgenommen. Am 20. März, zum Frühlingsanfang, taucht Berlin gegen 6 Uhr morgens aus dem Dunkel auf, wandert über die beleuchtete Seite und hat mittags den höchsten Sonnenstand des Tages, etwa 37° über dem Horizont. Am Abend dreht es sich wieder in den Erdschatten hinein, und die Sonnenhöhe sinkt unter null.

Die Sonne scheint nur über den Himmel zu wandern

Vom Boden aus sieht es so aus, als würde die Sonne sich bewegen: Sie geht im Osten auf, zieht mittags im Süden über den Himmel und geht im Westen unter. Jahrtausendelang haben die Menschen deshalb geglaubt, dass die Sonne einmal am Tag um die Erde kreist.

Tatsächlich bleibt die Sonne an ihrem Platz, und wir drehen uns an ihr vorbei. Weil sich die Erde nach Osten dreht, scheint alles am Himmel in die andere Richtung zu ziehen, nach Westen. Das kennst du aus dem Zug: Die Bäume draußen scheinen nach hinten zu sausen, obwohl du dich bewegst. Die Drehung spürst du nicht, weil der Boden, die Luft und du selbst gleichmäßig mitgenommen werden.

Auf einer Hälfte der Erde ist immer Tag

Die Sonne kann immer nur die Seite der Erde beleuchten, die ihr zugewandt ist. Deshalb ist in jedem Moment auf der einen Hälfte Tag und auf der anderen Nacht. Die Linie dazwischen heißt Tag-Nacht-Grenze. In Wirklichkeit ist sie keine scharfe Kante, denn die Luft streut das Licht ein Stück weit darüber hinaus. So entsteht die Dämmerung.

Wer gerade auf dieser Linie steht, sieht die Sonne am Horizont: Auf der einen Seite der Erde geht sie gerade auf, auf der anderen gerade unter. Am 20. März geht die Sonne in Berlin ein paar Minuten nach 18 Uhr Sonnenzeit unter, um 19 Uhr steht sie schon 7,9° unter dem Horizont. Damit ist die bürgerliche Dämmerung vorbei, die bei 6° unter dem Horizont endet. Ab dann ist es draußen zu dunkel, um ohne Lampe zu lesen.

Je weiter westlich, desto später ist Mittag

Weil sich die Erde nach Osten dreht, kommen Orte weiter im Osten zuerst ins Sonnenlicht. Mittag, also der Moment, in dem die Sonne am höchsten steht, kann deshalb nicht überall gleichzeitig sein. Er wandert von Osten nach Westen um die Erde, 15 Längengrade pro Stunde.

New York liegt etwa 87° westlich von Berlin. Wenn die Sonne in Berlin mittags genau im Süden steht, ist es in New York erst kurz nach 6 Uhr morgens, und die Sonne geht dort gerade auf. In die andere Richtung, etwa 90° östlich von Berlin, am Baikalsee in Sibirien bei rund 105° Ost, geht sie im selben Moment unter. Drei Orte, ein Augenblick, drei verschiedene Tageszeiten.

Zeitzonen: Warum die Uhr nicht genau nach der Sonne geht

Bevor es Eisenbahnen gab, richteten die meisten größeren Städte ihre Uhren nach ihrem eigenen Mittag. München und Berlin lagen deshalb ein paar Minuten auseinander. Für Fahrpläne war das ein Durcheinander. 1884 wurde auf einer internationalen Konferenz Greenwich bei London als Längengrad 0° festgelegt, und in den Jahrzehnten danach führten die Länder Zeitzonen ein: theoretisch 24 Zonen, jede 15° breit und eine Stunde voneinander entfernt.

In der Praxis folgen die Grenzen den Ländern, nicht geraden Linien. Deutschland nutzt die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Sie ist die Sonnenzeit bei 15° Ost, dem Längengrad von Görlitz. Berlin liegt bei 13,4° Ost, deshalb steht die Sonne dort im Mittel erst etwa 6 Minuten nach 12 Uhr am höchsten, in der Sommerzeit gegen 13:06 Uhr. China hat sogar nur eine einzige Zeitzone, obwohl es sich über rund 60 Längengrade erstreckt. Im Winter geht die Sonne im äußersten Westen des Landes deshalb erst gegen 10 Uhr morgens auf.

Die Simulation zeigt die Sonnenzeit, auch Ortszeit genannt: 12 Uhr ist dort immer der Moment, in dem die Sonne am gewählten Ort am höchsten steht.

Warum Tag und Nacht nicht immer 12 Stunden dauern

Dass es Tag und Nacht gibt, liegt an der Drehung. Wie lang beide sind, hängt aber von der Neigung der Erdachse ab, 23,4°. Um die Tagundnachtgleichen im März und September läuft die Tag-Nacht-Grenze durch beide Pole. Dann hat jeder Ort auf der Erde etwa 12 Stunden Tag und 12 Stunden Nacht.

Im Juni ist der Nordpol der Sonne zugeneigt. Orte im Norden verbringen dann einen größeren Teil jeder Drehung auf der Tagseite: In Berlin ist es um den 21. Juni etwa 16 Stunden 50 Minuten hell, um den 21. Dezember nur etwa 7 Stunden 40 Minuten. Nördlich des Polarkreises, bei etwa 66,6°, geht die Sonne im Sommer mindestens einen Tag lang gar nicht unter (Polartag) und im Winter mindestens einen Tag lang gar nicht auf (Polarnacht). Am Nordpol dauert beides jeweils ein halbes Jahr. Am Äquator bleiben Tag und Nacht das ganze Jahr über fast gleich lang. Dieselbe Neigung sorgt auch für die Jahreszeiten.

Ein Tag hat 24 Stunden, eine Drehung dauert 23 Stunden 56 Minuten

Gemessen an den fernen Sternen braucht die Erde für eine Drehung 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden. Das nennt man einen Sterntag. Der Tag, nach dem wir leben, von einem Mittag zum nächsten, heißt Sonnentag und ist etwa 4 Minuten länger. Der Grund: Während sich die Erde dreht, wandert sie auch ein Stück auf ihrer Bahn um die Sonne weiter.

An einem Tag kommt die Erde auf ihrer Bahn um etwa 1° voran. Damit die Sonne wieder an derselben Stelle am Himmel steht, muss sie sich ungefähr 1° mehr als einmal ganz herum drehen. Bei 15° pro Stunde dauert dieses eine Grad 4 Minuten. Deshalb gehen die Sterne jede Nacht etwa 4 Minuten früher auf, und im Winter siehst du andere Sternbilder als im Sommer.

Wie schnell dreht sich die Erde, und warum merken wir das nicht?

Am Äquator bewegt sich der Boden mit etwa 1.670 km/h, denn er muss an einem Tag den ganzen Erdumfang von rund 40.000 km schaffen. Weiter vom Äquator entfernt ist der Kreis kleiner: In Berlin sind es etwa 1.000 km/h, an den Polen fast null. Dazu kommt, dass die Erde mit rund 107.000 km/h um die Sonne rast.

Davon spüren wir nichts, weil die Geschwindigkeit gleich bleibt. Dein Körper merkt nur, wenn sich Tempo oder Richtung ändern, etwa wenn ein Auto bremst oder ein Flugzeug eine Kurve fliegt. Die Luft dreht sich mit, also gibt es auch keinen Fahrtwind. Direkt sichtbar gemacht hat die Drehung zuerst Léon Foucault 1851 in Paris: Die Ebene, in der ein langes Pendel schwingt, dreht sich langsam, weil sich die Erde darunter weiterdreht. In Berlin wären es etwa 12° pro Stunde.

Häufige Fragen

In welche Richtung dreht sich die Erde?

Die Erde dreht sich von Westen nach Osten, vom Nordpol aus gesehen gegen den Uhrzeigersinn. Deshalb gehen Sonne, Mond und Sterne im Osten auf und im Westen unter.

Warum ist es nach Sonnenuntergang noch hell?

Die Luft streut das Sonnenlicht über den Horizont hinweg, deshalb bleibt der Himmel noch eine Weile hell, nachdem die Sonne untergegangen ist. Das ist die Dämmerung. Die bürgerliche Dämmerung dauert, bis die Sonne 6° unter dem Horizont steht. Ganz dunkel ist es erst, wenn sie 18° darunter ist.

Was wäre, wenn sich die Erde nicht mehr drehen würde?

Dann käme der Wechsel von Tag und Nacht nur noch vom Umlauf um die Sonne, und ein Tag würde ein ganzes Jahr dauern: ungefähr ein halbes Jahr hell, dann ein halbes Jahr dunkel. Die Tagseite würde sehr heiß, die Nachtseite sehr kalt.

Gibt es auf dem Mond Tag und Nacht?

Ja, aber sie dauern lange. Der Mond dreht sich bei einem Umlauf um die Erde nur einmal um sich selbst. Von einem Sonnenaufgang zum nächsten vergehen auf dem Mond deshalb etwa 29,5 Erdentage: rund zwei Wochen Sonne, dann rund zwei Wochen Nacht.

Wird die Erdrotation langsamer?

Ja, ganz leicht. Die Gezeiten, die der Mond auslöst, wirken wie eine Bremse. Über lange Zeit wird der Tag deshalb pro Jahrhundert um etwa 2 Millisekunden länger. Vor rund 600 Millionen Jahren dauerte ein Tag nur etwa 22 Stunden.

Weitere Fragen zu diesem Thema

KI-generierte Simulation. Sie kann Fehler enthalten.